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Swetlana Geier – Biografischer Überblick

 

1923             

Swetlana Geier, geborene Iwanowa, kommt am 26.4.1923 als einziges Kind russischer Eltern in Kiew zur Welt. Sie besucht eine einfache Schule und nimmt auf Veranlassung der Mutter Privatunterricht in Deutsch und Französisch.

1938

Ihr Vater, ein Agronom, wird im Rahmen der politischen Säuberungen Stalins als Volksfeind verhaftet.

1939

Tod des Vaters kurz nach seiner Entlassung. Er stirbt an den Folgen der Misshandlungen, die er in 18 Monaten Haft erlitten hat.

1941

Abschluss der Schule. Am Tag ihres Abiturs überfällt Hitler die Sowjetunion. Im Herbst besetzt die Wehrmacht Kiew. Am 29. und 30. September wird ihre Jugendfreundin Neta Tkatsch mit 30’000 anderen Juden in der Babij Jar Schlucht bei Kiew durch ein Sonderkommando der SS umgebracht. Swetlana Michailowna Iwanowa arbeitet während der deutschen Besetzung als Dolmetscherin im Geologischen Institut der Akademie der Wissenschaften und bei der Dortmunder Union Brückenbau AG.

1943

Nach der Niederlage in Stalingrad zieht sich die Wehrmacht aus Kiew zurück. Ein grosser Teil der Bevölkerung wird deportiert, den Zurückbleibenden drohen erneute Säuberungen durch Stalins NKWD Truppen. Swetlana verlässt mit ihrer Mutter Kiew. Im September wird sie in Dortmund in ein Ostarbeiterlager interniert.

1944

Im April erwirken deutsche Helfer ihre Freilassung und lotsen sie nach Berlin, wo ihr nach einer Begabten-Prüfung ein Humboldtstipendium zuerkannt wird (einer Sowjetischen Staatsbürgerin!). Auch erhalten sie und ihre Mutter Fremdenpässe, mit denen sie nach Freiburg im Breisgau reisen können, wo sie sich niederlassen. Ihre wohlwollende Behandlung führt zu einer politischen Säuberung des verantwortlichen Ministeriums für die Besetzten Ostgebiete, welches daraufhin der NSDAP unterstellt wird. Der Beamte, der sich für sie eingesetzt hat, wird an die Ostfront geschickt.

1945

Nach Kriegsende studiert sie in Freiburg Germanistik und Vergleichende Sprachwissenschaft, heiratet Christmut Geier, von dem sie sich 1962 scheiden lässt, und wird Mutter zweier Kinder.

1957

Sie beginnt, russische Literatur ins Deutsche zu übertragen und nimmt ihre Lehrtätigkeit an der Universität Karlsruhe auf, die bis heute andauert.

1963-89          

  

Russisches Lektorat am Slawischen Seminar Freiburg mit Schwerpunkt Methodik des Sprachunterrichts, Übersetzung und Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts.

1988-92

Lehrauftrag an der Universität Herdecke.

1992

Beginn der Zusammenarbeit mit Egon Ammann, für dessen Verlag sie in 15 Jahren die fünf grossen Romane von Fjodor Dostojewskij übersetzt: „Verbrechen und Strafe“, „Der Idiot“, „Böse Geister“, „Die Brüder Karamasow“ und „Ein grüner Junge“.

2006

Unfall ihres Sohns Johannes. Er ist Werklehrer, im Unterricht verletzt er sich schwer und muss fortan gepflegt werden.

2007

Erste Reise seit 1943  zurück in die Ukraine. Im Herbst stirbt ihr Sohn Johannes an den Folgen seines Unfalls.

2008

Beginn der Arbeit an der Übersetzung von Dostojewskijs „Der Spieler“ (erscheint im Herbst 09 im Ammann Verlag).

2009

Beginn ihrer wie sie sagt letzten Dostojewskij Übersetzung: „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“. Nach wie vor unterrichtet sie an den Universitäten Karlsruhe und neuerdings auch wieder in Freiburg.

 

Swetlana Geier hat in Ihrer Laufbahn Werke von Puschkin, Gogol, Tolstoi, Solschenizyn, Platonov, Belyj, Tschukowskaja, Sinjawskij, Afanasjew, Wojnowitsch, Katajew, Bunin, Bulgakow und Dostojewskij ins Deutsche übertragen. Ihre Übersetzungen erschienen u.a. bei den Verlagen Ammann, S. Fischer, Luchterhand, Reclam und Dörlemann.

Für ihre herausragenden Verdienste um die Vermittlung russischer Kultur, Geschichte und Literatur erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt den Preis der Leipziger Buchmesse 2007.

Sie ist Trägerin der Ehrendoktorwürde der Universitäten Basel und Freiburg.